Ehre wem Ehre gebührt…

Vor dem Hintergrund der neuen Projekte von Samih Sawiris am Urnersee, wurde am Freitag im Theater Uri die Urkunde zur Ehrenbürgerschaft an den Investor übergeben. Dabei geniesst Sawiris nicht nur die Unterstützung des ehemaligen Ständerats Isidor Baumann, sondern auch der aktuellen StänderätInnen Josef Dittli und Heidi Z’graggen. Zu Ehren des Investors sprachen anlässlich der Übergabe Landamman Urban Camenzind, Landratspräsident Ruedy Zgraggen und Bernhard Russi.

Aus der Bevölkerung sind aber auch kritischere Töne zu vernehmen. So befürchten viele, dass die Höhe des Kontostands zukünftig über die Bewegungsfreiheit im Kanton entscheiden könnte; zuerst in Andermatt und neu geplant auch am Urnersee. Im Film Andermatt – Global Village spricht Udo Schneider als Verantwortlicher für den Verkauf von Immobilien des Ressorts aus, für wen offenbar Samih Sawiris Andermatt (und zukünftig auch den Urnersee?) vorgesehen hat: „Die Zielgruppe ist oberer Mittelstand: Jahreseinkommen eine Million, Privatvermögen zwischen 2 und 3 Millionen: Das ist genau die Käuferschicht.“

Unvergessen bleiben bei vielen Sawiris‘ Aussagen zu Korona: „Es gehen Milliarden von Franken verloren für ein paar Hundert weniger Tote“ und „Eher gewinnt man im Lotto, als dass man an Covid-19 stirbt.“ Die Realität der letzten zwölf Monate spricht da eine andere Sprache: Seit März 2020 erkrankten im Kanton Uri 3244 Personen an Covid 19 und 49 starben an der Krankheit. So gesehen sind Sawiris Aussagen eher fragwürdig, wenn nicht gar zynisch.

Im Urner Landrat war diese Ernennung keineswegs unbestritten. Auf bluewin.ch ist dazu unter anderem zu lesen: „Nur 30 der Landratsmitglieder sprachen sich für die Ehrenbürgerschaft aus, 14 lehnten sie ab, 6 enthielten sich der Stimme.“

Auf Wikipedia steht: „Ehrenbürger ist üblicherweise die höchste von einer Stadt oder einer Gemeinde vergebene Auszeichnung für eine Persönlichkeit, die sich in herausragender Weise um das Wohl der Bürger oder Ansehen des Ortes verdient gemacht hat.“

So informiert suchte ich im Internet noch etwas weiter:

In einem Interview von Sebastian Ramspeck mit Samih Sawiris steht eingangs folgende Frage: „Herr Sawiris, in Ihrem Büro in Kairo hing früher ein Foto von Präsident Husni Mubarak. Hängt es immer noch dort?“ „Klar.“ „Sie werden das Foto nicht abhängen, wenn Sie das nächste Mal in Kairo sind?“ „Nein. Es ist nicht damit getan, jetzt den Präsidenten in einem Flieger nach Saudi-Arabien zu schicken. Ägypten ist ein Pharaonenland. Seit 6000 Jahren behandeln wir unsere Führer mit einem gewissen Respekt, egal, wie gut oder schlecht sie sind.“

Vor diesem Hintergrund vernahmen wir am 28. April 2020 von der Urner Standeskanzlei: „Der Regierungsrat beantragt dem Landrat, dem Unternehmer Samih Sawiris das Ehrenbürgerrecht des Kantons Uri zu erteilen.“ Denn: „Samih Sawiris hat in Uri Ausserordentliches geleistet.“

Schön, wenn die Erteilung dieses Ehrenbürgerrechts auf der Prioritätenliste unserer Regierung steht. Etwas weniger schön angesichts der Debatte um Ansehen und Besoldung von Berufen im öffentlichen Verkehr, im Detailhandel oder Pflegebereich. Sie haben während des vergangenen Jahres wirklich Aussergewöhnliches geleistet. Auch weniger schön angesichts der Aussagen Sawiris zu Korona. Und auch weniger schön angesichts der mittlerweile ebenfalls in Uri am Klima und Wetter sichtbaren Auswirkungen unseres Konsumverhaltens.

Dienen Hotels und Zweitwohnungen im Luxussegment sowie Massentourismus im Alpenraum wirklich dem Wohl der Bürger und dem Ansehen Uris oder vielleicht doch eher dem Wohl der angestrebten Käuferschaft und der Rendite von Investoren? Dahingehend äusserten sich auch Landräte in der Debatte vor gut einem Jahr: Es sei unbestritten, dass der Investor viel geleistet habe im Kanton Uri, sagte Hansueli Gisler (SVP). Trotzdem sprach er sich gegen die Verleihung aus. Der Kanton Uri habe nämlich viel dazu beigetragen, dass Sawiris seine Pläne habe verwirklichen können. Sawiris Ziel sei es, am Ende mehr Geld herauszuholen, als er investierte.

Ehre wem Ehre gebührt. Oder sollte gar Mark Twain recht haben: „Es ist besser, Ehrungen zu verdienen und nicht geehrt zu werden, als geehrt zu sein und es nicht zu verdienen.“