Momentan findet eine interessante Diskussion über den Sinn von Elektroautos statt. Vergessen geht dabei, dass die motorisierte Mobilität immer einen gewaltigen Nachteil aufweist: Der Transport des Fahrzeugs selbst. Wenn ich mit unserem Auto irgendwohin fahre, bewege ich 1415 kg Auto um mich (70 kg) von A nach B zu bringen. Es gibt Untersuchungen zu der Art der Fahrten, die wir in der Schweiz machen: 12% der Autofahrten sind nicht länger als 1 km, 34% nicht länger als 3 km, 50% nicht länger als 5 km.
Wir können also feststellen, dass ein Zehntel aller Autofahrten durch einen Fussmarsch von einer Viertelstunde ersetzt werden könnte. Der grosse Vorteil dabei: Man(n) könnte damit die regelmässigen Fahrten mit dem Auto ins Fitnesscenter ersetzen und hätte gesunde Bewegung und den Trainingseffekt gleich mitgeliefert – und das auch noch kostengünstig und energieneutral. Die Hälfte aller Autofahrten sind kürzer als 5 km und könnten stattdessen mit einem Velo oder e-Bike zurückgelegt werden. Man(n) stelle sich vor, es wären nur noch halb so viele Autos unterwegs wie jetzt. Und das störte wohl die wenigsten von uns.
Aber wieder zu den Elektroautos und dem Titel des Beitrags: Stellvertretend für diese Fahrzeuge habe ich einen schicken Stromer ausgewählt. Den Jaguar I-Pace. Er wiegt 2263 kg, hat die Beschleunigung eines Sportwagens und verbrauchte im Test 32.16 kWh/100 km. Das entspricht in etwa dem durchschnittlichen täglichen Energieverbrauch eines Vierpersonenhaushalts, in einem modernen, grosszügigen Einfamilienhaus mit 250 Quadratmeter Wohnfläche, elektrischer Wärmepumpe und Solaranlage zur Warmwasserbereitung. Zudem liegt der im Test ermittelte Wert des Jaguar für 100 km Fahrt einen Drittel höher als die Werksangabe (24,8 kWh/100 km), was von Diselskandalen her bekannt, gängige Praxis bei Autoherstellern ist.
Dieses Greenwashing nehme ich immer dann dankend an und verwende es als Begründung meines Handelns, wenn mir eigentlich bewusst ist, dass es Alternativen gäbe – ja wenn nur diese Alternativen nicht so anstrengend oder unattraktiv wären. Würde ich meinen Arbeitsweg statt mit dem Auto mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen, müsste ich um 5 Uhr 46 in Göschenen den Bus nehmen, wäre eine Stunde später beim Telldenkmal, würde umsteigen und wäre um 6 Uhr 47 am Bahnhof in Altdorf. Nach einem Fussmarsch von exakt einem Kilometer wäre ich an meinem Arbeitsort. Jetzt aber nehme ich so gegen viertel nach sechs den Wagen und bin 25 Minuten später am Arbeitsort, habe nicht jede Haltestelle der Auto AG kennengelernt, und kann in Ruhe Nachrichten und Musik hören.
Das alles ist ja verständlich – meine ich und vielleicht viele andere auch. Tatsache ist aber auch, dass aktuell immer noch hunderte Millionen Menschen ohne sicheren Zugang zu Trinkwasser und über 2 Mrd. ohne sanitäre Grundversorgung leben. Das heisst, dass alleine für die Beschaffung von Trinkwasser (das dann oft noch Keimbelastet und allgemein ungesund ist) hunderte Millionen Menschen jeden Tag mehr als eine halbe Stunde ihrer Zeit aufwenden müssen. So gesehen wäre mein Arbeitsweg mit ÖV durchaus erträglich, aber eben: Anstrengend und unattraktiv.
Und jetzt noch zum zweiten Teil des Titels: Den Yaks. Wie beschrieben bin ich bequem beim Erledigen meiner alltäglichen Dinge wie dem Arbeitsweg. Wenn es aber nicht um Arbeit oder Grundbedürfnisse geht, könnten wir uns mit wenig Aufwand durchaus klüger verhalten. So konnte man(n) diesen Winter in der Göscheneralp feststellen, dass Freizeitaktivitäten neuerdings auch motorisiert werden. Satt die Ruhe und Schönheit dieses stillen Seitentals zu geniessen, liessen sich BesucherInnen vermehrt mit motorisierten Transportmitteln ins Tal befördern.
Aber es gibt Alternativen; und damit würde die Einmaligkeit dieser Landschaft weniger durch Motorengeräusche gestört. Wenn immer ich Adrian und Anke mit ihren Yaks Rosa, Rosalie und Sausewind begegne, sehe ich bei ihren Gästen in strahlende Augen. Zwar sind die Kinder und die Erwachsenen vom Fussmarsch auf Schnee oft etwas müde aber immer begeistert ob der pelzigen Tragetiere, die unbeirrt und friedfertig ihren Weg gehen und das Gepäck der Gäste tragen. Warum also nicht einmal in der Freizeit den Zug nehmen, und zu Fuss an einen ruhigen Ort wandern, satt den elektrischen Jaguar aus der Garage fahren und viel (zu viel) Strom verbrauchen?
PS: Ebenso kann man(n) im Sommer die Göscheneralp zu Fuss erkunden oder statt mit dem eigenen Auto mit dem Postauto bis zum Staudamm fahren.
