
Die Gazzetta di Casinotta ist nach der alten italienischen Bezeichnung für das Dorf Göschenen am Nordfuss des Gotthardmassivs benannt; sie ist ein lokal orientiertes Magazin, das sich mit Gegenwartsfragen auseinandersetzt. Die Idee zu ihrem Namen entstammt der Geschichte der Urner Narrenblätter:
In Göschenen erschien im Jahre 1886 die Gazzetta di Casinotta (Göschenen) zum Preise von 20 Rappen. Die Sprüche waren von Hand geschrieben, und es gab Zeichnungen zu betrachten, was für diese Zeit selten war. Speziell an der «Gazzetta» war, dass sich die Satire nicht nur auf das Wort beschränkte, sondern auch Zeichnungen enthielt.
Die Satire ist nicht Hauptinhalt der Gazzetta, wenn möglich sollen die Beiträge aber durchaus mit einem Augenzwinkern zu Kompromissen einladen. Ziel ist es, Lösungen aufzuzeigen, die von möglichst vielen getragen werden können. Dabei wird eine gesicherte und ökologisch nachhaltige Existenz für alle angestrebt.
Als Ort des Gedankenaustausches wird allgemeinverständlich formuliert. Die Schreibenden geben sich zu erkennen und sind verantwortlich für die Inhalte. Beiträge werden vor der Veröffentlichung gegengelesen und wenn nötig in Zusammenarbeit angepasst.
Herkunft und Orientierung von Schreibenden und Beschriebenen werden wohlwollend zur Kenntnis genommen und ebenso beschrieben. Dabei sollen unterschiedliche Meinungen aber auch klar geäussert und diskutiert werden können. Anstand soll als einziges Blatt vor den Mund genommen werden.
In der Zeitschrift Beobachter beschreibt Andres Büchi auf anschauliche Weise einige der Beweggründe für die Gazzetta. Zentraler Punkt für uns alle ist wohl die Erkenntnis, dass Besitz und Einkommen alleine kein Massstab für Zufriedenheit sein kann. Wie wir das gemeinsam umsetzen können, ohne bei uns allen übermächtige Verlustängste zu wecken, ist die grosse Herausforderung:
Dieses neue Denken stellt sich nicht ein durch laute Forderungen an die Politik oder an ein System. Es liegt vielmehr an uns allen, das Leben als solches wieder mehr zu schätzen, als vorab in materiellen Zielen zu denken. Und das Beste daran: Wir alle können sofort damit beginnen.
Beiträge sollen so geschrieben sein, dass die Schreibenden das Geschriebene selbst anwenden und umsetzen können und wollen. Ebenso versuchen die Schreibenden zu ergründen, wie andere die Ideen der Beiträge annehmen und umsetzen können und wollen.
Auch wenn vielleicht alle guten (und auch weniger guten) Ideen bereits vor unserer Zeit schon existierten, muss es doch Ziel sein, uns alle zu selbständigem Denken zu bewegen. Fast so wie eine bekannte deutschsprachige Zeitung es sagte: Bild Dir Deine eigene Meinung!
Grundlage für eine eigene Meinung soll aber immer ein möglichst neutral gültiges Wissen sein. Bildung hilft dabei, das Leben zu meistern. Um den Kreis zum Augenzwinkern zu schliessen seien hier noch die Science Busters aus Wien erwähnt: Bildung kann auch Spass machen. Denn: „Wer nichts weiss, muss alles glauben!“
Viel Vergnügen beim Lesen, Schreiben und – vor allem – beim selbständigen Denken!
Sebastian Tresch
